Chateau Ripeau
Die meisten Saint-Émilion-Weingüter ziehen Besucher an, indem sie ihr historisches Erbe in den Vordergrund stellen. Im Gegensatz dazu lockt Château Ripeau Besucher an, indem es seine noch ungelösten Herausforderungen hervorhebt. Die Familie Grégoire, die dieses Grand-Cru-Classé-Weingut betreibt, räumt offen ein, dass das Land hier ein größeres Potenzial birgt, als es die bisher abgefüllten Weine gezeigt haben, und hat ihre Produktionsanlagen auf der Grundlage dieser Überzeugung neu aufgebaut. Das Ergebnis ist ein Merlot-dominierter Wein. Er wird aus handgeernteten Trauben gekeltert und ausschließlich in neuen Eichenfässern gereift, eine mutige Entscheidung für ein Weingut dieser Größe. Jedes Jahr werden von diesem Weingut zwei Rotweine mit rotem Etikett auf den Markt gebracht: der Grand Cru Classé selbst und sein Zweitwein. Besichtigungen sind nur nach Voranmeldung an Wochentagen möglich, und das Anwesen verfügt über einen Park mit Wanderwegen, eine Seltenheit in dieser Region.
Geschichte
Das Château Ripeau befindet sich an der Route de Vachoin 2720 in Saint-Émilion und wird von der Familie Grégoire geführt. Wenn Sie sich direkt an dieses Weingut wenden, wird Cyrille Grégoire als Ansprechpartner angegeben.
Ihre Einstellung zu diesem Weingut ist klar und deutlich. Wie sie selbst sagen, geht es bei der Herstellung exzellenter Weine in Ripeau nicht darum, eine große Leistung zu vollbringen, sondern einfach darum, den Wert des Terroirs richtig zur Geltung zu bringen. Denn das Weingut selbst verdient es, zu den allerbesten gezählt zu werden.
Um diese Überzeugung in die Praxis umzusetzen, wurden entsprechende bauliche Maßnahmen ergriffen. Mit dem klaren Ziel, noch mehr Potenzial aus dem Boden herauszuholen als bisher, wurden neue Anlagen errichtet. Nur wenige Weingüter gehen offen auf diese Details ein.
Die Weinberge
Château Ripeau bewirtschaftet 16 Hektar Rebfläche in der Appellation Saint-Émilion. Für Bordeaux-Verhältnisse ist dies ein kleiner Betrieb, so klein sogar, dass man den gesamten Weinberg an nur einem Nachmittag zu Fuß durchqueren kann.
Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei etwa 35 Jahren. Dies ist ein wichtigerer Faktor, als man vielleicht denken mag. Ältere Wurzeln dringen tiefer in den Boden ein; zwar liefern sie geringere Erträge, halten aber schweren Sommerdürren in der Regel besser stand als jüngere Reben.
Eine Besonderheit der Anlage dieses Weinguts ist der 1,5 Hektar große Park, der an das Anwesen angrenzt; das Weingut betont, dass dies unter den Châteaux in der Region Saint-Émilion eine Seltenheit ist. Dieser Park ist zudem eine wichtige Station der Führungen, bei denen Besucher vor der Weinprobe den Weinberg erkunden und den Weinherstellungsprozess kennenlernen können.
Das Terroir
Die Böden in Ripeau sind nicht einheitlich, und genau das ist der springende Punkt. Lehm-Kalk-Böden ziehen sich quer durch das Weingut, während es an anderen Stellen sandigere Böden gibt sowie eine Eisenoxid-Ader – die „crasse de fer“, von der die Winzer aus Saint-Émilion auf dieser Seite der Appellation ständig sprechen.
Der eisenreiche Untergrund sorgt für Struktur und eine gewisse würzige Note im Wein, während der Lehm Wasser für den Merlot speichert und der Kalkstein in warmen Jahren verhindert, dass die Säure zusammenbricht. Sand hingegen sorgt für weichere, früher trinkbare Frucht.
Da all dies auf 16 Hektar vereint ist, kann das Château Ripeau die Bepflanzung ganz nach den Gegebenheiten vor Ort gestalten, anstatt sich an eine feste Formel zu halten.
Die Trauben
Das Rebsortenverhältnis des Château Ripeau entspricht dem Standardverhältnis von Saint-Émilion, allerdings weicht der Anteil an Cabernet Franc etwas vom Standard ab:
- Merlot, 65 %
- Cabernet Franc, 30 %
- Cabernet Sauvignon, die restlichen 5 %
Die 30 % Cabernet Franc spielen eine wesentliche Rolle und dienen nicht nur als Geschmacksverstärker. Diese Rebsorte trägt duftende Aromen, eine graphitartige Note und feste Tannine bei, die verhindern, dass Merlot-dominante Weine zu weich und marmeladenartig werden.
Cabernet Sauvignon spielt eine untergeordnete Rolle, und sein Anteil variiert je nach Jahrgang. So enthielt beispielsweise der Jahrgang 2016 eine Cuvée mit 10 % Cabernet Sauvignon, wodurch der Anteil an Cabernet Franc entsprechend relativ gering ausfiel. Die Cuvée wird hier auf die Eigenschaften des jeweiligen Jahrgangs zugeschnitten, anstatt einem festen Rezept zu folgen.
Weinherstellung
Auf dem Château Ripeau erfolgt die Lese von Hand. Die Trauben dieses 16 Hektar großen Weinbergs werden von Hand geerntet, was den Vorteil bietet, die geernteten Trauben sofort sortieren zu können. Die Philosophie des Weinguts zeigt sich am deutlichsten in der Reifephase, da jedes Jahr ausschließlich 100 % neue Eichenfässer verwendet werden. Der Einsatz von so viel neuem Eichenholz ist für ein Weingut dieser Größe ungewöhnlich, und vollreife, konzentrierte Trauben sind unerlässlich, um damit umzugehen.
Die jährliche Produktion beläuft sich auf etwa 50.000 Flaschen bzw. rund 375 Hektoliter. Die produzierten Weine werden weltweit vertrieben.
Darüber hinaus verfügt das Weingut über die Zertifizierung nach ISO 14001, bei der es sich um einen Umweltmanagementstandard und nicht um eine Bio-Zertifizierung handelt. Diese Zertifizierung konzentriert sich eher auf die Betriebsführung des Weinguts als auf die Rebsorten, die in den Weinbergen angebaut werden.
Die Weine
Château Ripeau ist ein Grand Cru Classé und das Flaggschiff dieses Weinguts. Es handelt sich um einen roten Saint-Émilion auf Merlot-Basis, der zu einem erheblichen Teil mit Cabernet Franc verschnitten ist; er reift in neuen Eichenfässern, hat einen vollmundigen Geschmack und weist in den letzten warmen Jahrgängen typischerweise einen Alkoholgehalt von etwa 14 % auf.
Daneben wird der „Tour de Ripeau“ unter der Bezeichnung „Saint-Émilion Grand Cru“ abgefüllt. Der Zweitwein sollte im Allgemeinen eher jung getrunken werden.
Beide Weine sind Rotweine. Da in Saint-Émilion keine klassifizierten Weißweine produziert werden, ist das Sortiment per Definition relativ schmal, und der erklärte Ansatz des Weinguts ist klar: sorgfältige Kellerarbeit und die Bewahrung der natürlichen Aromen der Trauben, ohne diese zu überdecken.
Die hier stattfindenden Verkostungen konzentrieren sich auf den Vergleich dieser beiden Weine und umfassen zudem eine vertikale Verkostung, die mehrere Jahrgänge des Grand Cru Classé umfasst.
Häufig gestellte Fragen
Is Château Ripeau Ein geheim gehaltenes Anwesen?
Ja. Es handelt sich um einen Saint-Émilion Grand Cru Classé, und sein Zweitlabel Tour de Ripeau trägt die Herkunftsbezeichnung Saint-Émilion Grand Cru.
Wem gehört das Château Ripeau?
Das Weingut wird von der Familie Grégoire geführt, wobei Cyrille Grégoire als Ansprechpartner des Weinguts angegeben ist.
Kann man das Château besichtigen?
Ja, montags bis freitags zwischen 10 und 16 Uhr, ausschließlich nach Voranmeldung, mit maximal zehn Erwachsenen pro Gruppe. Die Führungen führen durch den Weinberg und den Park, enden mit einer Weinprobe und kosten ab 20 Euro pro Person.
Wo genau befindet sich das Anwesen?
1 Ripeau, 33330 Saint-Émilion, am rechten Ufer von Bordeaux. Gruppen, die mit dem Bus anreisen, können vor Ort empfangen werden.