Torrione
„Torrione“ ist ein Cuvée-Wein, der von „Petrolo“ aus Sangiovese-Trauben hergestellt wird – in einer Ecke der Toskana, die die meisten Weinliebhaber nicht einmal auf einer Karte finden würden. Das Valdarno di Sopra liegt zwischen Florenz, Arezzo und Siena und grenzt an die südöstliche Spitze des Chianti Classico. Im Jahr 1716 erkannte Cosimo III. de’ Medici diese hügelige Region als eine von nur vier Regionen in der Toskana an, in denen Weine von höchster Qualität produziert wurden. In der Folge blieb diese Region mehrere Jahrhunderte lang unbekannt.
Es war „Petrolò“, das ihr früheren Ruhm wiederherstellte. Und es war der Wein „Torrione“, der diese wichtige Mission übernahm. Während „Galatrona“ (100 % Merlot aus demselben Weingut) weltweite Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist es „Torrione“, der das Valdarno di Sopra als vollwertige Sangiovese-Anbauregion etabliert hat. Unserer Meinung nach kann dieser Wein als Maßstab für diese Herkunftsbezeichnung bezeichnet werden.
Der Produzent
An der Spitze von Petrolò steht Luca Sanjust, der Nachkomme von Gastone Bazzocchi, der dieses Weingut in den 1940er Jahren erworben hatte. Anfang der 1980er Jahre war Luca ein anerkannter junger Künstler, kehrte jedoch später in seine Heimat zurück, um das Familienunternehmen weiterzuführen. Gerade seine Perspektive als „Außenseiter“ spiegelt sich in den hier getroffenen Entscheidungen wider. Die erste Merlot-Rebfläche wurde 1990 angelegt. Als 1994 die Merlot-Trauben separat vinifiziert wurden, entstand fast zufällig der Wein „Galatrona“.
Wir arbeiten mit den „Petrolò“-Weinen zusammen, gerade weil dieses Weingut sich über gängige Konventionen hinwegsetzt. Hier wird biologischer Anbau betrieben, ohne Bewässerung und ohne Pflügen, und die Erträge werden streng auf ein extrem niedriges Niveau begrenzt – 20–25 Hektoliter pro Hektar. Diese Strenge spiegelt sich im Glas wider.
Geschichte & Erbe
Der interessanteste Moment in der Geschichte von „Petrolò“ war nicht der Erwerb des Weinguts in den 1940er Jahren. Im Jahr 1834 entdeckte der Agrarwissenschaftler Giorgio Perrin, der zu dieser Zeit Eigentümer von „Petrolò“ und Mitglied der „Accademia dei Georgofili“ war, dass ein Grundstück namens „Campo Ashutto“ (heute bekannt als Boggina) sich ideal für den Anbau von Sangiovese eignete. Fast zwei Jahrhunderte später bringen dieselben Hügel weiterhin die authentischsten Weine des Weinguts hervor, deren Grundlage der Sangiovese bildet.
„Torrione“ fungiert als Brücke zwischen dem historischen Ruf des Weinguts und dem, wofür das Valdarno di Sopra heute steht. Die 1947 gepflanzten Reben in Boggina sind die ältesten dieses Weinguts. Die Ursprünge der „Torrione“-DNA sind tief in dieser Kontinuität verwurzelt.
Terroir & Klima
Die Weinberge von Petrolo liegen auf Hügeln in einer Höhe von 250–500 Metern über dem Meeresspiegel innerhalb des DOC-Gebiets Valdarno di Sopra. Der Boden besteht aus Mergel, Sandstein und Schiefer, wie es für die gesamte Chianti-Region typisch ist, und zeichnet sich durch eine gute Drainage und eine reichhaltige Mineralstruktur aus. Dieser Teil der Toskana unterscheidet sich von wärmeren Regionen durch die umliegenden Wälder. Die dichten Wälder rund um die Weinberge sorgen in Verbindung mit der Höhenlage und den unterschiedlichen Sonneneinstrahlungsbedingungen für deutlich niedrigere Nachttemperaturen.
Dieser Kühleffekt ist für die Rebsorte Sangiovese von großer Bedeutung. Kühle Nächte bewahren die Säure und verlangsamen die Reifung, wodurch der „Trione“-Wein nicht nur eine robuste Struktur, sondern auch Frische erhält. Die Pflanzdichte beträgt etwa 5.500 Rebstöcke pro Hektar, was jeden Rebstock dazu anregt, keinen übermäßigen Ertrag zu produzieren und stattdessen um Feuchtigkeit zu konkurrieren.
Rebsorten
Torrione wird hauptsächlich aus Sangiovese gekeltert, wobei Cabernet Sauvignon und Merlot als ergänzende Rebsorten dienen. Die genauen Mischungsverhältnisse variieren je nach Jahrgang. Der Sangiovese bildet mit seinem hohen Säuregehalt, den kräftigen Tanninen und den charakteristischen Aromen von Kirsche und Erde das Rückgrat des Weins. Die beiden Bordeaux-Rebsorten runden den Wein ab und verleihen ihm eine reichhaltige Fruchtigkeit sowie eine weiche Fülle, die einem reinen Sangiovese in kühleren Jahrgängen oft fehlt. In dieser Höhenlage und auf diesem Boden funktioniert diese Cuvée, da die fruchtigen Noten der Bordeaux-Rebsorten die Momente ausgleichen, in denen der Sangiovese etwas schwach wirken könnte.
Weinbereitung
Bei „Petrolò“ variiert die Art der Weinreifung in den Kellern je nach dem Geschmacksprofil, das die Winzer zum Ausdruck bringen möchten. „Galatrona“ reift in französischen Eichenfässern, „Boggina A“ in Terrakotta-Amphoren und „Torrione“ in „Botti“, riesigen Holzfässern, die traditionell in der Toskana verwendet werden.
Diese Wahl ist von großer Bedeutung. Kleine Barriques verleihen Aromen von Vanille und geröstetem Brot, während große „Botti“ dem Wein ermöglichen, langsam zu „atmen“, ohne den Eichencharakter übermäßig zu betonen. Für eine Cuvée auf der Basis der Sangiovese-Traube ist dies die richtige Wahl. Der Geschmack des Weins wird eher von Frucht, Boden und der einem kühlen Klima eigenen Frische geprägt als von Eichenaromen. Die Trauben werden nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus angebaut; es wird nicht bewässert, und die gesamte Fläche ist mit natürlichem Gras bewachsen. Die Erträge werden bewusst niedrig gehalten, was die Grundlage für die Konzentration des Weins in der Flasche bildet.
Speiseempfehlungen
Die Säure und die kräftigen Tannine des Torrione verlangen nach fett- und eiweißreichen Speisen. Zum Beispiel:
- „Bistecca alla Fiorentina“: ein klassisches toskanisches Steak mit Knochen. „Rare“ gebraten und mit Salz bestreut
- Pappardelle mit Wildschwein-Ragù. Der reichhaltige Geschmack des Wilds harmoniert perfekt mit den erdigen Noten des Weins
- Gebratenes Lamm mit Rosmarin und Knoblauch. Das Aroma der Kräuter spiegelt das Bouquet des Weins direkt wider
- Gereifter Pecorino Toscano. Sein Umami bildet einen exquisiten Kontrast zu den Tanninen
Bei 18–20 °C servieren. Man sagt: „Was zusammen wächst, passt auch gut zusammen“, und die toskanische Küche ist wie geschaffen für Weine wie diesen.
Servierempfehlungen
Torrione-Wein sollte bei 18–20 °C serviert werden. Die übliche Zimmertemperatur zu Hause ist zu hoch, wodurch der Wein seine Frische verliert. Junge Jahrgänge sollten mindestens eine Stunde lang dekantiert werden, damit sie atmen können. Der Kontakt mit Luft ist notwendig, um die Tannine zu mildern. Bei Flaschen, die älter als 10 Jahre sind, reichen 30 Minuten aus. Ein normales Bordeauxglas ist geeignet. Man muss sich keine allzu großen Gedanken über die Wahl des richtigen Glases machen.
Jahrgänge
Der Geschmack des Torrione verändert sich je nach Wetterbedingungen spürbar. In warmen toskanischen Jahrgängen treten die Rebsorten Cabernet und Merlot in den Vordergrund und verleihen dem Wein einen dichteren und direkteren Geschmack; ein solcher Wein lässt sich 5–8 Jahre lang genießen. In kühleren Jahrgängen steht die Sangiovese-Basis im Mittelpunkt, was zu einem Wein mit festerer Struktur und reichhaltigerem Geschmack führt; es dauert jedoch etwa 10 Jahre, bis sich sein wahrer Charme entfaltet.
Wenn Sie den Wein noch in diesem oder im nächsten Jahr trinken möchten, wählen Sie Flaschen, die bereits 8 bis 12 Jahre in der Flasche gereift sind. Die Tannine werden weicher, und Sekundäraromen (Leder, getrocknete Kräuter, Tabak) kommen zum Vorschein. Wenn Sie den Wein in Ihrem Weinkeller lagern möchten, wählen Sie Jahrgänge mit einer robusten Struktur und lassen Sie sie 10 Jahre ruhen. Ältere Jahrgänge werden in der Regel zu hohen Preisen verkauft, aber das Warten lohnt sich.
Petrolo
2010
€ 20,00 € 23,80 (inkl. MwSt.) weiterlesen
Petrolo
2016
€ 25,95 € 30,88 (inkl. MwSt.) weiterlesen
Petrolo
2010
(Magnum) € 44,95 € 53,49 (inkl. MwSt.) weiterlesen Sale
Petrolo
2014
€ 25,00 € 19,50 (ohne MwSt.) € 23,21 (inkl. MwSt.) weiterlesen
Lagerpotenzial
Die meisten Torrione-Jahrgänge sind etwa 5 Jahre nach der Lese trinkreif und lassen sich unter geeigneten Lagerbedingungen problemlos 15–20 Jahre lang lagern. Die Struktur des Sangiovese mit seinem hohen Säuregehalt sorgt für das lange Alterungspotenzial des Weins, während die Tannine des Cabernet Sauvignon dem Wein zusätzliche Tiefe verleihen. Die Flaschen sollten an einem dunklen Ort liegend bei einer konstanten Temperatur von 12–14 °C gelagert werden. Mit der Zeit treten die anfänglichen fruchtigen Noten in den Hintergrund, während Nuancen, die an Erde und Leder erinnern, in den Vordergrund treten.
Häufig gestellte Fragen
Liegt Torrione im Chianti Classico?
Nein. Petrolo liegt im DOC-Gebiet Valdarno di Sopra, das an das Chianti-Classico-Gebiet grenzt, jedoch außerhalb dessen Appellation liegt.
Ist Torrione ein „Super-Toskaner“?
Im Sinne des Konzepts – ja. Es handelt sich um eine Cuvée auf Sangiovese-Basis, ergänzt durch Cabernet Sauvignon und Merlot, die außerhalb der traditionellen Chianti-Vorgaben hergestellt wird. Auf dem Etikett steht „Valdarno di Sopra DOC“.
Was ist der Unterschied zwischen Torrione und Galatrona?
Galatrona ist ein zu 100 % aus Merlot gekelterter Wein, der in französischen Barriques gereift ist und oft mit Weinen aus Pomerol verglichen wird. Torrione hingegen ist ein Wein auf Sangiovese-Basis, der in großen Fässern gereift ist und in der toskanischen Tradition verwurzelt ist.
Eignet sich Torrione zur Lagerung?
Ja, wenn es sich um einen hochwertigen Jahrgang handelt, kann er problemlos 15 bis 20 Jahre lang gelagert werden, in manchen Fällen sogar noch länger.